Plötzlich pfeift, rauscht oder summt es im Ohr – und das, obwohl um dich herum eigentlich Ruhe herrscht. Tinnitus kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Doch welche Rolle spielt Stress dabei?
Viele Betroffene berichten, dass ihr Tinnitus gerade in stressigen Phasen besonders präsent ist. Gleichzeitig hinterlässt Stress auch körperliche Spuren: Wir ziehen die Schultern hoch, verspannen den Nacken oder pressen unbewusst die Zähne zusammen. Doch kann Stress tatsächlich Tinnitus auslösen? Und was hat dein Kiefer damit zu tun?
Was ist Tinnitus eigentlich?
Als Tinnitus bezeichnet man Ohrgeräusche, für die keine entsprechende äußere Schallquelle vorhanden ist. Das Geräusch kann sich beispielsweise als Pfeifen, Rauschen, Summen, Brummen oder Zischen bemerkbar machen.
Tinnitus ist dabei keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, hinter dem unterschiedliche Ursachen und Einflussfaktoren stecken können.
Häufig steht Tinnitus beispielsweise im Zusammenhang mit Veränderungen des Hörsystems, Hörverlust oder starker Lärmbelastung. Aber auch körperliche und psychische Faktoren können beeinflussen, wie Tinnitus wahrgenommen wird.
Kann Tinnitus durch Stress entstehen?
Stress und Tinnitus stehen in einer engen Wechselbeziehung. Dabei ist wichtig: Stress ist nicht automatisch die Ursache eines Tinnitus. Stress kann jedoch beeinflussen, wie intensiv wir ein Ohrgeräusch wahrnehmen und wie belastend wir es empfinden. Gerade in Phasen hoher Anspannung kann der Tinnitus dadurch stärker in den Vordergrund rücken.
Und daraus kann schnell ein Kreislauf entstehen:
Stress → Tinnitus wird stärker wahrgenommen → Sorge und Anspannung nehmen zu → noch mehr Stress → Tinnitus wird noch präsenter
Deshalb spielt der Umgang mit Stress auch bei vielen Ansätzen zur Bewältigung eines Tinnitus eine wichtige Rolle.
Was passiert bei Stress in deinem Körper?
Bei Stress wird der Sympathikus aktiv – der Teil unseres vegetativen Nervensystems, der den Körper auf Leistung und schnelle Reaktionen vorbereitet. Herzschlag und Atmung verändern sich, Energie wird bereitgestellt und die Muskulatur spannt sich an. Kurzzeitig ist diese Reaktion vollkommen normal und sinnvoll.
Problematisch kann es werden, wenn der Körper kaum noch Gelegenheit bekommt, in den Entspannungsmodus zurückzukehren.
Hier kommt der Parasympathikus ins Spiel. Er ist der Gegenspieler des Sympathikus und unterstützt Ruhe, Erholung und Regeneration. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Vagusnerv, der als zehnter Hirnnerv unter anderem Herz, Lunge und große Teile des Verdauungssystems mit dem Gehirn verbindet.
Regelmäßige Entspannungsmomente können deinem Körper dabei helfen, immer wieder aus dem dauerhaften „Stressmodus“ herauszukommen.
Stress sitzt häufig auch im Kiefer
„Beiß die Zähne zusammen“ kommt nicht von ungefähr: Viele Menschen reagieren auf Stress mit ihrem Kiefer. Vielleicht bemerkst du selbst, dass du dich in konzentrierten oder stressigen Situationen dabei ertappst, die Zähne zusammenzupressen. Andere knirschen vor allem nachts mit den Zähnen. Auf Dauer kann dadurch eine erhöhte Muskelspannung entstehen, die sich nicht nur im Kiefer bemerkbar macht. Kiefer, Kopf, Nacken und Schultern stehen muskulär und funktionell miteinander in Verbindung.
Und genau diese Verbindung ist beim Thema Tinnitus interessant.
Tinnitus durch Kieferverspannungen?
Bei einem Teil der Betroffenen können Signale aus dem Kiefer-, Gesichts- oder Nackenbereich die Wahrnehmung des Tinnitus beeinflussen. Fachleute sprechen dann von einem somatosensorischen bzw. somatischen Tinnitus.
Dabei interagieren sensorische Informationen aus diesen Körperregionen mit neuronalen Netzwerken, die auch an der Verarbeitung akustischer Signale beteiligt sind.
Ein möglicher Hinweis darauf ist, dass sich das Ohrgeräusch verändert, wenn du zum Beispiel:
- den Kiefer weit öffnest,
- die Zähne fest zusammenbeißt,
- den Unterkiefer bewegst,
- bestimmte Kopf- oder Nackenbewegungen ausführst.
Auch gleichzeitig bestehendes Zähneknirschen, Pressen, CMD sowie Kiefer- oder Nackenverspannungen können Hinweise darauf geben, dass der Bewegungsapparat eine Rolle spielen könnte.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Tinnitus durch einen verspannten Kiefer verursacht wird. Die Ursachen sollten immer individuell betrachtet werden.
Stress + Kieferverspannungen + Tinnitus: Ein möglicher Kreislauf
Gerade bei stressbedingter Muskelanspannung können mehrere Faktoren zusammenkommen:
Stress → Zähnepressen & erhöhte Muskelspannung → Verspannungen in Kiefer und Nacken → somatosensorische Reize können die Tinnituswahrnehmung beeinflussen → das Ohrgeräusch verursacht zusätzlichen Stress
Genau deshalb kann es bei entsprechender Beteiligung sinnvoll sein, nicht nur auf das Ohr zu schauen, sondern auch Stress, Nervensystem, Kiefer und Nacken mit einzubeziehen.
Kieferentspannung mit TJ-Motion
Genau hier können die TJ-Motion deine Entspannungsroutine unterstützen. Die kleinen Zahnaufsatzkissen werden locker zwischen die Backenzähne gelegt und schaffen einen sanften Abstand zwischen Ober- und Unterkiefer. Dadurch wird die Kiefermuskulatur sanft gedehnt und du kannst das bewusste Loslassen deines Kiefers trainieren.
Nutze die Anwendung gleichzeitig als kleinen Achtsamkeitsmoment: Wie angespannt fühlt sich mein Kiefer gerade an? Kann ich ihn loslassen? Wie fühlt er sich nach der Anwendung an?
Atme währenddessen ruhig und bewusst und versuche, auch Gesicht, Nacken und Schultern locker zu lassen. Die Anwendung lässt sich mit 3 × 3 Minuten täglich unkompliziert in deinen Alltag integrieren – beispielsweise am Schreibtisch, beim Lesen oder während einer kurzen Entspannungspause.
Wann solltest du Tinnitus ärztlich abklären lassen?
Auch wenn Stress und Verspannungen einen Tinnitus beeinflussen können, sollte ein Ohrgeräusch nicht automatisch darauf zurückgeführt werden. Insbesondere ein neu aufgetretener oder anhaltender Tinnitus sollte ärztlich abgeklärt werden. Tritt er plötzlich gemeinsam mit Hörverlust, starkem Schwindel oder anderen akuten Symptomen auf, solltest du zeitnah medizinischen Rat einholen. Bestehen zusätzlich Beschwerden im Kiefer oder Nacken, kann je nach Ursache auch eine zahnärztliche oder physiotherapeutische Abklärung sinnvoll sein.
Fazit: Wenn Stress bis in die Ohren geht
Stress findet nicht nur im Kopf statt. Er kann sich auch körperlich bemerkbar machen – beispielsweise durch einen angespannten Nacken oder Kiefer. Bei manchen Menschen können solche körperlichen Spannungen wiederum Einfluss auf die Wahrnehmung eines Tinnitus haben. Gleichzeitig kann das Ohrgeräusch selbst neuen Stress verursachen. Umso wichtiger ist es, diesen Kreislauf an mehreren Stellen zu unterbrechen: Stress reduzieren, dem Nervensystem Ruhepausen gönnen und körperliche Anspannung bewusst wahrnehmen und loslassen.
Wenn dein Kiefer bei Stress besonders viel Spannung trägt, kann die gezielte Kieferentspannung mit TJ-Motion ein kleiner Baustein deiner täglichen Entspannungsroutine sein.